Im Krimidinner mordet Reich & Schön

Wer ein Krimidinner veranstalten möchte, richtet den Abend zumeist gezielt auf die Geschichte des Krimis aus. Das gewählte Spiel gibt dabei ein bestimmtes Thema vor: sei es die Zeit, in der die Geschichte spielt oder die Gesellschaft, der die Figuren angehören. In diesem Artikel möchte ich die von mir zusammengetragenen Spiele hinsichtlich der auftretenden Thematiken untersuchen. Folgende Kategorien sehe ich mir dabei genauer an:

  • Welche Art von Verbrechen wird verübt?
  • In welcher Gesellschaftsschicht spielt die Geschichte?
  • In welcher Zeit spielt die Geschichte?

Aus dieser Untersuchung soll ersichtlich werden, worum es thematisch in einem klassischen Krimidinner geht.

Das Verbrechen im Krimidinner

Zur Zeit der Entstehung dieses Artikels befinden sich 35 Spiele in der Übersicht. In diesen 35 Spielen wird in 33 Geschichten mindestens ein Mord verübt. Das bedeutet, in nur zwei Krimidinner gibt es (zumindest in der Vorgeschichte) keinen Toten: Beim Fall „Schatten über Landsitz Hagenberg“ von Culinario Mortale handelt es sich lediglich um versuchten Mord. Bei dem Spiel „Das Gift der Rivalen“ von KRIMI Total hat man es ebenfalls nur mit einer Vergiftung zu tun. Letzteres ist auch das einzige Spiel, das mit einer Altersfreigabe von 12+ beworben wird. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier auf einen Todesfall verzichtet hat, um der Zielgruppe Kinder/ Schüler gerecht zu werden. Somit lässt sich zusammenfassen, dass Mord bzw. vorsätzliche Schädigung der Gesundheit eines Menschen das alles beherrschende Verbrechen in der Welt der Krimidinnergeschichten sind. Somit ließen sich Krimidinner auch als „Dinner mit Mord“ umschreiben.

Die Gesellschaftschichten im Krimidinner

Nun möchte ich mir genauer ansehen, zu welchen Gesellschaftsschichten die Figuren im Krimidinner gehören. In Anlehnung an die Gesellschaftsschichten in Großbritannien habe ich folgende soziale Schichten aufgestellt:

  1. Die Elite: Diese soziale Schicht ist superreich und exklusiv.
  2. Die Reichen: In dieser sozialen Schicht finden sich wohlhabende Menschen in kreativen, medizinischen, machtnahen oder führenden Berufen, reiche Erben oder sonstige reiche Personen.
  3. Die traditionelle Arbeiterklasse: Hierzu zählen Figuren in gutbezahlten Berufen, die sich Luxus aber nicht leisten können.
  4. Die Arbeiterklasse: Figuren in weniger gut bis schlecht bezahlten Berufen.

In diese vier Schichten habe ich alle Figuren eingeteilt, die im Laufe der Handlung des Krimidinners vorkommen. Bei der Betrachtung habe ich die Spiele ausgelassen, die Fantasy-Aspekte beinhalten. Die Ergebnisse seht ihr im folgenden Diagramm:

Krimidinner Diagramm soziale Schichten

Demnach spielt das klassische Krimidinner hauptsächlich im Mileau der Reichen und Schönen. Schauspieler, Ärzte, wohlhabende Firmenoberhäupter, Film- und Fernsehfunktionäre oder Autoren finden sich in dieser Gruppe. Dazu zählen natürlich auch ihre jeweiligen Lebenspartner. Die Gruppe der Elite stellt mit nur 8 % die kleinste Fraktion dar. In ihr finden sich Millionäre, Aristokraten und Herrscher wieder. Zusammen kommen diese beiden sozialen Schichten auf 63 %. Daraus kann man ablesen, dass man beim Spielen eines Krimidinners vor allem in eine Welt des sozialen und finanziellen Wohlstandes entführt wird. Das steht im Kontrast zur Zielgruppe, die vermutlich nicht zu diesem sozialen Milieu, sondern vielmehr zu einen der beiden Arbeiterklassen gehören wird. Aber auch die sozialen Schichten der Zielgruppe tauchen in den Krimidinner Geschichten auf: die Arbeiter und die traditionelle Arbeiterklasse sind zu etwa gleichen Teilen vertreten. Dabei handelt es sich zumeist um Bedienstete in Beschäftigung der höheren Schichten: Butler, Dienstmädchen, Gärtner, Köche und Azubis. Die traditionelle Arbeiterklasse ist mit 21 % die zweitgrößte soziale Gruppe. Hier finden wir Figuren wie Barbesitzer, Assistenten, Reporter und Polizisten wieder.

Das Krimidinner und seine Handlungszeit

Zu guter Letzt habe ich alle 35 Krimidinner Geschichten gemäß der Zeit sortiert, in der die Handlung spielt. Hierbei ist eine unbestimmte Zeit in der Gegenwart am häufigsten vertreten.

Krimidinner Analyse Handlungszeit

Viele Spiele sind aber auch zeitlich fixiert worden. Sie spielen zu einer bestimmten Epoche wie dem Mittelalter oder greifen bestimmte Lebenssituationen in den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf. Hier zielen die Macher vor allem auf die besonderen historischen Motive ab, die sich mit einer bestimmten Zeit verbinden lassen, zu denen man also bestimmte Kostüme anziehen oder bestimmte Dinner servieren kann. Beispielsweise spielt die Geschichte einer Toten in einer Hippie-Kommune in der 60er Jahren (der Glanzzeit der Hippies) oder Mafia-Geschichten in der 30er Jahren (zur Zeit der Prohibition und des Alkoholschmuggels). Gelegentlich werden auch historische Ereignisse einbezogen, wie der Untergang der Titanic 1912.

Fazit: Krimidinner spielen bei den Reichen und Schönen

Kommen wir zum Fazit dieser Untersuchung: Die klassische Krimidinnerwelt wird vor allem von reichen, schönen und erfolgreichen Menschen bewohnt. Rollen aus den Arbeiterklassen stehen meist in einem Arbeitsverhältnis zu diesem sozialen Mileau. Daraus lässt sich ablesen, dass die Schichten der Elite und der Reichen auch das Zentrum des Geschehen bilden: in ihren Herrenhäusern oder auf ihren Yachten trägt sich die Handlung zu und ihre Geschichten sind es, die erzählt werden. Die Figuren aus den anderen soziale Gruppen sind meist nur Beiwerk. Zum anderen hat sich gezeigt, dass das klassische Krimidinner nur ein einziges Verbrechen kennt: und das heißt Mord!

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